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Jagd ist eine Lebenseinstellung

Der Weg zum Jagdschein war für Larissa Stratmann kein Spaziergang

Jagd ist eine Lebenseinstellung
Larissa Stratmann mit ihren beiden Hunden Axl und Rosalie: Für die Jägerin aus Haltern ist die Jagd ist eine Lebenseinstellung. Foto: Bianca Munker

Von Bianca Munker

Jagd ist eine Lebenseinstellung. Der Weg zum Jagdschein war für Larissa Stratmann kein Spaziergang, schließlich wird er das grüne Abitur genannt. Bei der Jagd verbindet sie ihre Leidenschaft für die Natur und das Kochen.

Nicht jede Leidenschaft beginnt auf dem Fußballplatz oder in der Werkstatt. Während andere in ihrer Freizeit Tennis spielen, puzzeln oder an Mopeds schrauben, zieht es Larissa Stratmann in den Wald. Die 27-Jährige aus Haltern ist Jägerin – und das aus Überzeugung. Für sie ist die Jagd kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung.

„Ich habe keinen Spaß daran, Tiere zu töten“, stellt sie gleich zu Beginn des Gesprächs klar. „Die Jagd ist für mich eine Leidenschaft und ein großer Bestandteil meines Alltags.“ Die Begeisterung für die Natur begleitet sie schon seit ihrer Kindheit. Ihr inzwischen verstorbener Onkel Dr. Matthias Rabe war Tierarzt und Jäger. Gemeinsam mit ihm und seiner Ehefrau, ihrer Tante Annerose, streifte sie durch die Wälder, sammelte Pilze und beobachtete Wildtiere.

„Ich war schon als kleines Mädchen gerne draußen unterwegs und habe mich für Pflanzen, Pilze und Tiere interessiert“, erzählt sie. Die Stunden im Wald legten den Grundstein für das, was viele Jahre später zu ihrer Passion werden sollte.

Exkursionen in den Wald

Den entscheidenden Anstoß gab schließlich ein Grillabend mit einem Schulfreund, der ebenfalls Jäger ist. Während Larissa die selbst gesammelten Pilze mitbrachte, kam von ihm Wildbret auf den Grill.

„Das Fleisch hat mir unglaublich gut geschmeckt“, erinnert sie sich. „An diesem Abend entstand die Idee, selbst den Jagdschein zu machen.“ Gesagt, getan: Im Herbst 2021 begann sie den Vorbereitungskurs bei der Kreisjägerschaft Recklinghausen. Zweimal pro Woche stand Theorie auf dem Stundenplan, einmal Schießtraining. Hinzu kamen Exkursionen in den Wald. Parallel studierte Larissa Stratmann.

„Die Ausbildung war anspruchsvoll“, sagt sie. Im Frühjahr 2022 folgten die Prüfungen – ein schriftlicher Teil, eine mündliche Prüfung sowie Schießprüfungen mit Büchse und Flinte. Die Anspannung hat sie bis heute nicht vergessen. „Ich war extrem aufgeregt. Wenn ich heute am Kreishaus in Recklinghausen vorbeifahre, erinnere ich mich sofort an den Prüfungstag.“

Nicht weniger emotional war der Moment, als sie ihren ersten Rehbock schoss. Ein erfahrener Jäger hatte ihr das Tier in seinem Revier freigegeben. „Ich musste mich unglaublich konzentrieren. Es war das erste Mal, dass ich auf ein Lebewesen gezielt habe.“ Sie legte an, atmete durch, schoss – und traf. „Danach haben meine Hände gezittert. Das war das Jagdfieber.“

So nennen Jäger die intensive körperliche und emotionale Anspannung während der Jagd. Herzklopfen, zittrige Hände oder Tunnelblick sind typische Reaktionen auf die hohe Ausschüttung von Hormonen.

Zur Jagd gehört für sie aber nicht nur Wald und Wild, sondern auch der Hund. Nachdem Familienhund Krümel, ein Dackel, im Jahr 2022 gestorben war, zog kurze Zeit später Axl bei Larissa Stratmann ein – ein Deutsch-Drahthaar, mittlerweile ausgebildeter Jagdhund und ständiger Begleiter im Revier.

Inzwischen hat Axl Gesellschaft bekommen. Dackelwelpe Rosalie wird derzeit ebenfalls auf ihre spätere Jagdhundeprüfung vorbereitet. Gemeinsam verbringen die drei viele Stunden im Wald.

Respektvoller Umgang

Trotz ihrer Leidenschaft geht Larissa nicht ständig auf die Jagd. „Ich gehe weder jeden Tag noch jede Woche jagen. Jeder Ansitz ist für mich etwas Besonderes.“ Besonders wichtig ist ihr dabei der respektvolle Umgang mit dem Wild. „Wenn ich ein Tier erlegt habe, erweise ich ihm nach Jägertradition die letzte Ehre. Ich halte einen Moment inne und mache mir bewusst, dass ich gerade ein Leben genommen habe. Umso dankbarer bin ich anschließend für das Fleisch.“

Für Larissa Stratmann bedeutet Jagd weit mehr als das Erlegen eines Tieres. Sie ist Verantwortung gegenüber der Natur, bewusster Umgang mit Lebensmitteln und eine Leidenschaft, die sie seit ihrer Kindheit begleitet – und die ihr Leben bis heute prägt.

Ein Buchtipp von Jägerin Larissa Stratmann für Kochfans

Larissa Stratmanns Lieblingskochbuch ist „Gefundenes Fressen“ (ISBN 9783710605857, 35 Euro), erschienen im Christian Brandstätter Verlag.

Das Buch erzählt spannende Geschichten und zeigt eindrucksvolle Bilder rund ums Angeln, Jagen, Sammeln und Selbermachen, inspirieren und ermutigen zum Umdenken in Hinblick auf das eigene Konsumverhalten. Wo kann man Pilze und Wildpflanzen sammeln?

Dabei handelt es sich um ein Koch- und Lesebuch voll wildem Genuss und Liebe zur Natur: mit Saison-Kalender, Pilzratgeber und jeder Menge Tipps für Garten, Balkon und Hochbeet.

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Die Halterner Jägerin Larissa Stratmann verbringt mit ihren beiden Hunden viele Stunden im Revier. Foto: Bianca Munker

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Peter Gallin
Peter Gallin
Peter Gallin: Ihr Redakteur bei haltern.live. Ich bin Peter Gallin und seit vielen Jahren im Lokaljournalismus tätig. Von 1988 bis 2000 war ich Redakteur beim Stadtspiegel Dorsten und habe den Stadtspiegel Haltern redaktionell mit aufgebaut. Zwischen 2011 und 2016 haben mich viele Leserinnen, Leser und Unternehmer als Redakteur und Medienberater der Lokallust Dorsten und Lokallust Haltern am See kennengelernt. Jetzt widme ich mich mit voller Energie haltern.live. Dieses Onlinemagazin bringt aktuelle Nachrichten und Einblicke aus Haltern am See – modern, authentisch und nah an den Menschen.

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