Ein Sommertag am Silbersee II in Haltern am See

Von Bianca Munker
Urlaub beginnt vor der Haustür
Mein St. Tropez liegt am Silbersee. Ein Dienstagmorgen, sommerliche Temperaturen, blauer Himmel – und ich habe Urlaub.
Viel besser kann eine Kombination kaum sein. Also tausche ich das Verlagsgebäude in Marl gegen den feinen Sand am Silbersee II in Haltern.
Mein Ticket für Parkplatz und Eintritt buche ich bequem online. An der Einfahrt grüßen die Security-Mitarbeiter freundlich, der Parkplatz ist erstaunlich leer. Ich suche mir am östlichen Rand des Sees ein Plätzchen für mein Handtuch, nicht weit von der abgetrennten Surfstation entfernt. Am Zaun, der den Strand vom Bereich der Surfer trennt, haben es sich schon ein paar Seniorinnen und Senioren bequem gemacht. Sie sitzen dort, als hätten sie ihren Stammplatz für diesen Sommer längst gefunden.
Das klare Wasser zieht mich fast magisch an
Lange halte ich es im Sand nicht aus. Vor mir glitzert der Silbersee in der Sonne, das Wasser ist so klar, dass kleine Fische darin zu erkennen sind. Ich stecke den ersten Fuß hinein. Für einen Moment zieht sich mein Körper zusammen, dann wird aus der Kühle Erfrischung. Genau so muss sich Urlaub anfühlen. Ich schwimme bis zur Boje und mache dort eine kleine Pause. Über mir der blaue Himmel, vor mir das Grün der Bäume, die den See umranden. Hinter mir klingt gedämpft das Stimmengewirr vom Strand herüber. Dann drehe ich um.
Kurz vor dem Ufer lege ich mich noch einmal ins seichte Wasser. Dort ist es wärmer. Die Sonne kitzelt meine Nase. Zurück auf meinem Handtuch lese ich ein paar Seiten. Zumindest versuche ich es. Immer wieder sinkt die Zeitschrift auf meinen Schoß, weil der Blick über den See verlockender ist als jeder Artikel. Irgendwo am Horizont fliegt lautlos ein Storch vorbei.

Strandtag mit kleinen Genussmomenten
Gegen Mittag wird es voller. Familien breiten Decken aus, Kinder laufen mit Eimern und aufgeblasenen Schwimmtieren (Krokodil und Flamingo) zum Wasser, Freundesgruppen suchen nach einem Platz im Sand. Trotzdem bleibt es angenehm ruhig. Irgendwann meldet sich der Hunger, und das Mineralwasser aus meinem Korb ist inzwischen so warm, dass es kaum noch Freude macht. Zeit für einen Ortswechsel.
In den vergangenen Jahren habe ich meine Pausen gern an Michas Pommesbude verbracht. Doch nach einem Betreiberwechsel ist sie Geschichte. Also mache ich mich auf den Weg ins Maui Beach, das Strandrestaurant des Silbersees. Dort lasse ich mich in einen Loungesessel mit Seeblick fallen. Aus den Lautsprechern läuft Housemusik. Eine junge Frau sitzt auf einer Schaukel unweit des Wassers und lässt sich fotografieren – vermutlich für Instagram. Ich bestelle eine Cola und Pommes mit Mayo. Nur Kartenzahlung ist möglich.
Pommes gehören für mich zu einem perfekten Strandtag einfach dazu. Die heißen Kartoffelstäbchen, die kalte Cola, der Blick aufs Wasser: Mehr braucht es in diesem Moment nicht. Ich blättere in meiner Zeitschrift, höre der Musik zu und lasse den Tag weiterziehen.
Zu schön, um wahr zu sein: Das Licht ist unwirklich
Irgendwann bricht der Abend an. Das Licht verändert sich. Es wird weicher, wärmer, beinahe unwirklich. Ich laufe am Ufer entlang, das Wasser umspült meine Füße. In Richtung westliches Ende des Sees wachsen Büsche, Gräser und Pflanzen aus dem Sand. Sie sehen aus wie eine grüne Insel auf einer Düne. Ich steige ein Stück hinauf und bleibe stehen. Von hier aus wirkt der Silbersee plötzlich größer, weiter, fast fremd. Das Wasser schimmert in verschiedenen Farben: dunkelgrün, hellgrün, rosafarben, blau. Wie ein Aquarell. Die Sonne legt einen goldenen Schimmer auf den Sand. Für einen Moment könnte dieser Ort überall sein: in Kanada, in Schweden, irgendwo am Mittelmeer. Und doch liegt er nur eine kurze Fahrt entfernt.
Die Strahlen verwandeln das Wasser in flüssiges Gold
Langsam gehe ich zurück zum Maui Beach. Von dort aus sehe ich, wie die Sonne hinter den Bäumen versinkt. Ihre Strahlen legen sich auf das Wasser, bis die Oberfläche aussieht, als würde sie leuchten. Ein letztes Mal gehe ich hinein. Ich schwimme in das warme Abendlicht, während der Strand hinter mir leiser wird. Gleich wird die Sonne verschwunden sein. Aber morgen kommt sie wieder und schenkt den Badegästen einen neuen Sommertag am See. Und während ich eins werde mit dem Wasser, kommt mir ein Gedanke: Mein Saint-Tropez liegt am Silbersee.


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Mein St. Tropez liegt am Silbersee






